Predigt Gründonnerstag 01.04.2021

So wurde am 01. April 2021, Gründonnerstag, in Neuenkirchen gepredigt; Predigttext: Lukas 22,31-34

Prediger: Pfarrer Dietrich Wulf

 

Tagesgebet:

 

Dankbar sehen wir auf dich, Jesus:

Auf dem Weg zum Kreuz suchst du

die Gemeinschaft mit uns.

Wir aber sind dir oft ausgewichen.

Wir haben von dir geschwiegen.

Wir haben verborgen, dass wir zu dir gehören.

Erneure unsre Gemeinschaft mit dir.

Herr Jesus Christus,

du gibst dich in den Tod,

damit wir zum Leben kommen.

Lass uns dieses Leben erfahren,

ergreifen und bewähren,

heute, alle Zeit und in Ewigkeit. Amen

 

 

Predigt:

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.                  Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Gründonnerstag, einer der wichtigsten Tage im Kalender der Christen. Drei extrem lange Kapitel im Neuen Testament erzählen davon: Markus 14, Matthäus 26 und Lukas 22. Und worum es da nicht alles geht: um Liebe und Verrat, um das Abendmahl, um den Garten Gethsemane, um die Verhaftung Jesu und die Verleugnung des Petrus. Ich habe für den heutigen Gründonnerstag einen kleinen Text mitgebracht, über den erstaunlicherweise nie am Gründonnerstag gepredigt wird, obwohl er doch hierher gehört. Lukas, Kapitel 22, die Verse 31-34:

 

31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen.

32 Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.

33 Petrus aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.

34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.

   Jesus sitzt mit seinen Jüngern und Jüngerinnen zusammen beim letzten gemeinsamen Abendessen. Besonders entspannt oder gar fröhlich wird es da nicht zugegangen sein. Eher gedrückte Stimmung, - eine gewisse Düsternis und Traurigkeit, - wohl auch Ängste werden da gewesen sein.

   Und die Worte, die Jesus sonst noch sagt, helfen auch nicht dazu, dass eine bessere Stimmung aufkommt. Hier nur drei Beispiele solcher Sätze von Jesus: „1. Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. (V. 15) … 2. siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch. (V. 21)  … 3. Es muss an mir vollendet werden, was geschrieben steht. (V. 37)“

   Die Worte mit dem Brot und dem Kelch hörte sich zwar irgendwie besser an, aber wirklich positiv war es für die Jünger in dem Moment wohl auch nicht, hatten sie doch schließlich auch mit Jesu Tod zu tun: „Jesus nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird! (V. 19-20)“

   Und dann fangen auch noch welche an zu streiten, „wer von ihnen als der Größte gelten solle. (V. 23)“ Als wenn Jesus schon tot wäre und sie sich über seine Nachfolge unterhalten müssten.

   Schließlich wendet sich Jesus dem Petrus zu, den er hier mit seinem alten Namen Simon anredet: „Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.“

   Das Böse ist da! Nicht nur miese Stimmung am Tisch des Herrn, nein, jetzt kommt das Böse persönlich durch die Tür herein. Und das Unfassbarste - Gott weiß davon, Gott lässt es zu. Denn dieses Böse hat bei Gott angefragt, wie damals bei Hiob. Und nun schlägt es zu. Hat ja längst schon zugeschlagen, bei Judas nämlich „Es fuhr aber  der Satan in Judas, genannt Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte. Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihn an sie verraten könnte. (V. 3-4)“

   Und jetzt sollen alle geprüft werden. Gesiebt wie der Weizen. Weizen wird geerntet, dann auf der Tenne oder dem Dorfplatz gedroschen, schließlich wird das Korn durch den Wind von der Spreu getrennt, so wie es in Psalm 1 heißt: „Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.“

   Nun liegen die Weizenkörner, also das Gute, also die gläubigen Jüngerinnen und Jünger, da auf einem Haufen. Doch da ist immer noch Abfall drin: Stöcke, Steine und feiner Sand. Und nun nimmt der Bauer ein Sieb mit Öffnungen, dass die Körner gerade noch durchfallen. Und es bleiben die Steine und anderer größerer Abfall im Sieb hängen. Aber alles Gute ist durchgefallen. Und erst beim zweiten Durchgang, wenn der Bauer ein Sieb mit kleineren Durchlässen nimmt, dann fällt der Sand hindurch, aber der gute Weizen bleibt.

   Und dass geschieht auch mit den Jüngern, das geschieht mit allen Menschen, die da Glauben gute Christen zu sein: Alle fallen erst einmal durchs erste Sieb hindurch. Niemand ist von vornherein gleich auf der richtigen Seite, also gleich bei Gott, die kleinen Kinder einmal ausgenommen. Auch wir fallen immer wieder durchs Sieb hindurch.

   Überlegen Sie selber einmal: Immer wieder gibt es Situationen, wo wir durchs Sieb gefallen sind: Da hätte ich anders handeln sollen, da habe ich die Wahrheit zu meinen Gunsten verdreht, dort habe ich nicht geholfen, dort einfach weggeschaut wie der Priester in der Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Und schon wieder durchs Sieb gefallen. Keine Möglichkeit nicht durchs Sieb zu fallen.

   Keine Möglichkeit??? Doch eine gibt es, aber nicht wir haben sie, Gott hat sie. „Jesus spricht: Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“ So wie das Böse bei Gott nachgefragt hatte, die Jünger sieben zu dürfen, so wendet sich Jesus positiv Gott zu – mit einer Fürbitte „Ich habe für dich gebeten“.

   Dass auch Petrus abfällt, dass auch der durchs erste Sieb fällt, ist für Jesus völlig klar. Da gibt es nichts zu diskutieren. Aber dann kommt ja noch der zweite Durchgang beim Sieben. Und wenn das durch ist, dann kann Petrus noch eine wichtige Aufgabe übernehmen: „Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder.“

   Der, der schwach geworden ist, dann aber umgekehrt ist, der ist besonders dafür geeignet, Schwache zu stärken – denn er kennt sich mit Schwäche ja gut aus. Es ist nicht gesagt, dass der dann Chef der Kirche in Rom sein soll. Das ist menschliche Verkehrung des Auftrages. Zum Helfer für die Schwachen wird Petrus bestellt, nicht zum Herrscher, aber das ist eine andere Geschichte.

   Petrus ist erschüttert über das was Jesus sagt und aus tiefstem Herzen heraus beteuert er: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.“ Ich denke: Ja, er ist wirklich bereit. Er will sich Jesus und Gott ganz hingeben. Jedenfalls glaubt er es in diesem Moment selber. “Ich bin bereit!“ - Wer das sagen kann ist auf dem richtigen Weg. Doch wer in himmlische Gefilde vordringen will, wer sich ganz auf die Seite Gottes schlagen will, der kann das nicht alleine, der braucht Gottes Hilfe dazu. Jetzt, in diesem Augenblick glaubt Petrus wirklich, dass er es kann, doch Jesus macht ihm gleich deutlich, wie schwach er letztlich wirklich ist: „Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst.“ Und genauso kommt dann ja auch. Wenige Stunden später im Hof des Palastes des Hohenpriesters: „Und alsbald, während Petrus noch redete, krähte der Hahn. Und Jesus wandte sich um und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. (V. 60b-62)“

   Und genau diesen Versager, dieses Großmaul und diese Heulsuse Petrus, diesen Wackelpeter macht Jesus uns zum Vorbild im Glauben. Denn jeder von uns fällt durch das erste Sieb. Jeder von uns hat aber die Gewissheit, dass Jesus sich für uns einsetzt. Egal wie dumm wir uns auch benehmen, egal, welche Fehler wir uns leisten, egal, wie oft wir uns auch von Gott abwenden: Jesus bittet Gott für uns. Das zweite Sieb fängt uns auf.

   In unserem Leben gibt es viele Versuchungen von Gott und vom Glauben abzufallen. Die Reklamewirtschaft weiß das genau und spielt damit: „Milka - die süßeste Versuchung seit es Schokolade gibt.“ Doch die eigentlichen Versuchungen kommen nicht von außen, sie sind in mir selber drin. Meine Schwächen kenne ich doch - genau das sind die Versuchungen. Meine Schwächen - das ist auch das Böse, das mich immer wieder von Gott wegholen will. Nicht ein Gegengott, nicht der Satan, nicht ein anderer ist für mein Fehlverhalten verantwortlich - ich selber bin es.

   Versuchung und Versagen - das steht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber stehen Umkehr und Stärkung. Und genau das war es doch, was Jesus dem Petrus zugesichert hat: „Du Schwächling, du kannst stark sein!“

 

Liebe Gemeinde!

   Drei Gedanken möchte ich zum Schluss noch einmal herausstellen um deutlich zu machen, was wir aus diesem Bibeltext und aus diesem Gottesdienst mitnehmen können:

1. Jesus warnt die Jünger, warnt Petrus, warnt uns und alle Christen nicht zu sicher in unseren Absichten und Meinungen zu sein. Wir fallen immer wieder durchs erste Sieb.

2. Bekommen wir von Jesus ein Versprechen: Er setzt sich für uns bei Gott ein. Er lässt uns nicht allein, sondern ist bei uns mit seiner Fürbitte. Das erste Sieb hat nicht das letzte Wort.

3. Erstaunlich ist es dann, dass er genau uns, die wir immer wieder versagen, dass er uns, die wir durchs Sieb gefallen sind, dass er uns gebrauchen kann: er will mit uns und für uns am Reich Gottes arbeiten. Ja, auch mit uns!!!

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft und die Gemeinschaft des heiligen Geistes, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.                                              Amen.

 

 

Fürbittengebet:

 

Jesus Christus, wir beten dich an.

Du bist sanftmütig und gerecht.

Du bist ein Helfer.

Dein Friede ist wahrer Friede.

Vor dir breiten wir unsere Bitten aus:

 

Komm mit deiner Gerechtigkeit.

Mache stark, die sich für Brot, sauberes Wasser

und für Bildung für alle einsetzen.

Tröste alle, denen Unrecht geschieht,

mit deiner Gerechtigkeit.

Du kennst die Namen der Menschen,

die sich nach deiner Gerechtigkeit sehnen.

 

Komm mit deiner Hilfe.

Wende die Not.

Hilf den Verzweifelten, den Armen und Kranken.

Hilf der leidenden Kreatur.

Du kennst die Namen der Menschen,

die deine Hilfe brauchen.

 

Komm mit deinem Frieden.

Schaffe Frieden, wo Hass regiert.

Sei mit deinem Frieden

in den Kriegsgebieten dieser Welt.

Bewege die Mächtigen,

deinem Frieden zu trauen.

 

Jesus Christus, wir beten dich an.

Deine Gemeinde hofft auf dich.

Nimm uns mit auf deinem Weg.

Sei du unser Helfer im Leben und im Sterben.

Vor dir breiten wir unsere Bitten aus

und beten gemeinsam:

 

Vater unser …