Predigt Ostermontag 05.04.2021

So wurde am 05. April 2021, Ostermontag, in Wettringen gepredigt; Predigttext: Offenbarung 5, 1-14

Prediger: Jürgen Wittmann

Liebe Gemeinde,

als ich etwa 14 Jahre alt war, sagte der Bruder eines Freundes:

„Ich überlege mit, ob es sinnvoll ist, noch Kinder in diese Welt zu setzen, wenn ich die schlechten Zukunftsaussichten sehe.“

Das Waldsterben und auch das Wettrüsten zwischen dem Ostblock und dem Westen waren damals angstmachende Themen. No Future, keine Zukunft!

Das liegt über 35 Jahre zurück.

Auch heute kann es uns angst und bange werden.

Angst macht uns zuallererst die Coronapandemie, die sich durch neue Mutationen wieder stärker ausbreitet.

Aber auch die Spannungen mit China und Russland und die Klimakatastrophe lassen uns pessimistisch in die Zukunft sehen.

Auch als Christen haben wir Angst davor, wie sich das alles entwickeln wird.

Ich frage mich, wie es unseren Kindern in Zukunft ergehen wird.

Wir sollten uns keine falsche Hoffnung machen.

Denn es wird nicht besser werden.

Jesus hat seinen Jüngern vorausgesagt, dass es immer mehr Kriege und Naturkatastrophen geben wird und dass die Verfolgung der Christen zunehmen wird.

Das alles muss so kommen.

Im heutigen Predigttext bekommen wir Einblick, welche Aufgabe Jesus Christus nach seiner Auferstehung und seiner Rückkehr zu seinem himmlischen Vater bekommen hat.

 

Wie es bei Gott zugeht und was dort alles passiert, können wir im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung lesen.

Johannes, der Schreiber der Offenbarung, wurde wegen seines christlichen Glaubens verfolgt und auf die Insel Patmos verbannt.

Dort bekommt er durch einen Traum, Einblick in Gottes Welt.

Ich lese den heutigen Predigttext: Offenbarung 5, 1-14

1 Und ich sah eine Schriftrolle in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. Sie war innen und außen beschrieben und mit sieben Siegeln versiegelt.

2 Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter Stimme rief: "Wer ist würdig, die Siegel dieser Schriftrolle zu brechen und sie zu öffnen?"

3 Aber niemand im Himmel oder auf der Erde oder unter der Erde konnte die Schriftrolle öffnen und lesen.

4 Da weinte ich, weil man niemanden finden konnte, der würdig war, die Schriftrolle zu öffnen und sie zu lesen.

5 Aber einer der Ältesten sagte zu mir: "Weine nicht! Siehe, der Löwe aus dem Stamm Juda, der Erbe aus der Wurzel Davids, hat gesiegt. Er ist würdig, die Schriftrolle zu öffnen und ihre sieben Siegel zu brechen."

6 Und ich sah ein Lamm, das wie geschlachtet aussah. Es stand zwischen dem Thron und den vier lebendigen Wesen und inmitten der vierundzwanzig Ältesten und hatte sieben Hörner und sieben Augen. Das sind die sieben Geister Gottes, die in alle Teile der Erde ausgesandt worden sind.

7 Es trat vor und nahm die Schriftrolle aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.

8 Und als es die Schriftrolle nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder. Jeder von ihnen hatte eine Harfe, und sie hielten goldene Schalen in den Händen, die mit Weihrauch gefüllt waren. Der Weihrauch sind die Gebete derer, die zu Gott gehören!

9 Und sie sangen ein neues Lied mit folgenden Worten: "Du bist würdig, die Schriftrolle zu nehmen und ihre Siegel zu öffnen. Denn du wurdest als Opfer geschlachtet, und dein Blut hat Menschen für Gott freigekauft, Menschen aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation.

10 Du hast sie für Gott zu einem Königreich und zu seinen Priestern gemacht. Und sie werden auf der Erde regieren."

11 Dann sah ich wieder Tausende und Abertausende von Engeln um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten und hörte ihr Singen.

12 Und sie sangen in einem gewaltigen Chor: "Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist. Es ist würdig, Macht und Reichtum entgegenzunehmen und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lob."

13 Und dann hörte ich, wie alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und im Meer sangen: "Lob und Ehre und Herrlichkeit und Macht stehen dem zu, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm für immer und ewig."

14 Und die vier lebendigen Wesen sagten: "Amen!" Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an.

Wir bekommen hier Einblick in Gottes Welt.

Auf dem Thron in der Mitte sitzt Gott.

Der Thron ist umgeben von vier, in unseren Augen seltsamen Gestalten.

Im nächsten Kreis um den Thron befinden sich 24 Älteste.

Umrandet wird dieser Ort von unzähligen Engeln.

 

Entscheidend in diesem Bibelabschnitt ist die Frage:

Wer darf die Schriftrolle öffnen, die Gott in der Hand hält?

Wer hat die Voraussetzungen, die Berechtigung dafür?

 

Warum ist das so wichtig?

 

Diese Schriftrolle mit sieben Siegeln verschlossen, beinhaltet das ganze zukünftige Weltgeschehen.

Darin wird beschrieben, was bis zum Ende der Welt geschehen wird.

Wer diese Rolle öffnet, weiß nicht nur, was geschehen wird,

er setzt durch das Öffnen der Siegel Ereignisse in Bewegung.

Wie bei einem Dominoeffekt.

Wenn wir den ersten Stein anstoßen, entwickelt sich eine Kettenreaktion.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass diese Schriftrolle nicht in die falschen Hände kommt.

 

Vor kurzem wurde in Amerika diskutiert, ob es nicht gefährlich ist, dass der Präsident allein die Macht über den Start von Atomraketen hat.

Die Frage ist berechtigt, denn er kann dadurch großes Unheil anrichten.

 

Noch viel wichtiger ist die Frage, wer hat die Macht über das Weltgeschehen, wer darf die Siegel der Schriftrolle öffnen?

Johannes sieht, wie die ganze Himmelswelt in Bewegung gerät.

Wer kommt für diese Aufgabe in Frage?

Begonnen wird in der Himmelswelt.

Vielleicht einer der vier Wesen, der 24 Ältesten oder der Engel?

Nein, keiner von Ihnen ist dazu geeignet.

Vielleicht einer von der Erde?

Ein besonders guter oder fleißiger Mensch?

Vielleicht der Papst oder jemand der viel betet, jeden Sonntag in den Gottesdienst geht und viel in der Bibel liest?

Nein, auch auf der Erde gibt es niemanden.

Vielleicht gibt es jemanden, der bereits gestorben ist.

Vielleicht Martin Luther, Mutter Theresa, Albert Schweizer oder ein Heiliger?

Nein, auch dort gibt es niemanden.

Johannes bricht in Tränen aus.

Das Weltgeschehen muss doch weiter gehen und zu einem guten Ende kommen.

Doch dann kommt die gute Nachricht.

5 Aber einer der Ältesten sagte zu mir: "Weine nicht! Siehe, der Löwe aus dem Stamm Juda, der Erbe aus der Wurzel Davids, hat gesiegt. Er ist würdig, die Schriftrolle zu öffnen und ihre sieben Siegel zu brechen."

 

Auch wenn wir vielleicht nichts verstehen, Johannes konnte mit dieser Umschreibung sehr viel anfangen.

Die Umschreibung des Löwen aus Juda und der Wurzel Davids, beziehen sich auf Verheißungen aus dem AT, für den Messias, den Retter und Erlöser Israels.

Jesus Christus ist der verheißene Messias.

Er ist berechtigt die Schriftrolle zu öffnen.

 

Als Johannes seinen Blick zum Geschehen wendet, sieht er keinen Löwen, sondern ein geschlachtetes Lamm.

 

Auch das ist ein Bild aus dem AT.

In einer Verheißung des Propheten Jesaja lesen wir vom Lamm, dass alles über sich ergehen lässt.

Auch das ist ein Bild für den Messias, der für die Schuld der Menschen geopfert wird.

Auch das hat sich durch Jesus Christus erfüllt.

 

Jesus wurde für meine und deine Schuld geopfert!

 

Er erhält von Gott die Schriftrolle, er erhält die Vollmacht über das Weltgeschehen.

Jedes Siegel, dass Jesus öffnet, löst ein Ereignis aus,

dass diese Welt verändern wird.

Oftmals sind es Naturkatastrophen.

Doch am Ende beginnt Gottes neue Welt.

 

Ich habe am Anfang der Predigt über unsere Zukunftsängste gesprochen.

Dazu kommen unsere alltäglichen Ängste.

 

Auch in unsren Lebensalltag begegnen uns Schicksalsschläge und Krankheit.

Wie kommen wir damit klar?

Da Jesus an Ostern auferstanden ist und lebt, haben wir auch heute noch einen Ansprechpartner in allen Lebenslagen.

Wir können Jesus nicht sehen, aber wir können in unserem Lebensalltag erfahren wie Jesus eingreift, wenn wir ihm Vertrauen.
Eine bekannte Missionarin aus Bethlehem schrieb in Ihren Rundbrief:

„Vor genau einem Jahr war ich auf der Corona-Station in einem Krankenhaus in Tel Aviv. Mir ging es sehr schlecht und ich war in meinem kleinen Zimmer oft einsam. Die Ärzte und das Pflegepersonal sah ich selten. Nur einmal am Tag kamen sie in weißen Schutzanzügen und maskiert in den streng abgeriegelten Bereich. Doch in einer Ecke meines Zimmers hing eine kleine Kamera. Ich wurde beobachtet. Außerhalb der Station saßen Mitarbeiter in einem Kontrollzentrum und ließen die Bildschirme nicht aus den Augen. Als ich einmal etwas länger im Badezimmer war, hörte ich, wie eine Krankenschwester durch die Lautsprecheranlage in mein Zimmer hineinrief: „Marlene, ist alles in Ordnung bei dir?“ Ich wusste, dass ich in dem Krankenhaus gut aufgehoben war. Man kümmerte sich um mich. Auch wenn ich dachte, ich wäre allein, wurde ich doch gesehen. Es war jemand da, der auf mich aufpasste. Jemand, der nachfragte, ob ich meine Tabletten genommen habe und wissen wollte, wie es mir geht.“

 

Ich habe mir gedacht, wir kommen uns vielleicht auch oft verlassen vor, doch Jesus ist da.

Er sorgt sich um uns.

Das Jesus bei allen Christen gleichzeitig sein kann, liegt an seinem Heiligen Geist.

Er wirkt in und an uns.

Durch ihn sind wir mit Jesus verbunden.

Ich darf wissen, dass Jesus mein Leben in seiner Hand hält.

Ich weiß, dass Jesus bei mir ist, alle Tage meines Lebens.

Das habe ich in Krankheitszeiten erlebt und das weiß ich jeden neuen Tag.

Jesus ist bei mir und ich kann alles mit ihm besprechen.

Das habe nicht nur ich so erlebt, Milliarden Christen in den letzten 2000 Jahren, haben bis heute Jesus vertraut.

Sie haben darauf vertraut, dass Jesus immer da ist, ihnen Kraft und Mut gibt.

 

Es ist für mich auch beruhigend, dass Jesus derjenige ist, der die Siegel der Schriftrolle öffnet.

Jesus hat die Vollmacht über das Weltgeschehen.

Er wird darauf achten, dass alles den von Gott vorgesehenen Verlauf nimmt.

Wie schon gesagt, das bedeutet nicht nur schöne, ruhige Tage.

Wenn wir den Verheißungen glauben, wird es noch schlimmer mit dieser Erde werden.

Doch wir brauchen nicht verzweifeln, denn Jesus trägt uns und hält uns fest.

In den Stürmen unseres Lebens ist er bei uns.

Am Ende steht nicht das Chaos, sondern der Sieg Jesu über den Tod und alles Böse.

Am Ende regiert Gott in seinem Friedensreich.

 

Und dann können auch wir in das Loblied der Engel und Himmelswelt einstimmen:

"Lob und Ehre und Herrlichkeit und Macht stehen dem zu, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm für immer und ewig."

 

Wie schön es in Gottes neuer Welt sein wird, lesen wir am Ende der Offenbarung:

 

Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

 

Das ist unsere Zukunftsperspektive.

 

Bis dahin leben wir noch auf dieser Erde.

Begleitet und getragen durch Jesus Christus.

Und so können wir auch die Frage unseres Themas beantworten:

Was macht eigentlich Jesus?

Jesus regiert über das Weltgeschehen.

Jesus ist bei uns alle Tage unsres Lebens.

Amen