Nicht allein! - Gottesdienst mal anders

Nicht allein! – Gottesdienst mal anders


Liebe Gemeinde!

Unter dieser Überschrift lade ich Sie nun zum zweiten mal ganz herzlich ein, hier mit mir einen Gottesdienst zu feiern, ganz ähnlich, wie er auch am Sonntag Judika (29. März 2020) in unserer Gnadenkirche in Neuenkirchen hätte gefeiert werden können. Neben all den aktuellen Sorgen wollen wir nicht vergessen, was eigentlich an diesem Sonntag wichtig und dran ist. Lieder und einige Stücke der Liturgie lasse ich weg, aber ich hoffe Sie haben ein wenig das Gefühl „in der Kirche und nicht alleine zu sein“.



Liturgische Eröffnung:


P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen.

P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

G: der Himmel und Erde gemacht hat.

P: Der Herr sei mit euch

G: und mit deinem Geist.


Hinführende Worte und Wochenspruch:


Willkommen zum Gottesdienst am Sonntag Judika. Der 43. Psalm gibt diesem Sonntag seinen Namen. Dort heißt es: „Gott, schaffe mir Recht … und errette mich.“ Die Passionszeit geht ihrem Höhepunkt entgegen, und heute denken wir darüber nach, was das bedeutet. Im biblischen Wochenspruch heißt es: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele“. (Matthäus 20,28) Richten wir unseren Blick auf Gott; er möge unser Beten und Nachdenken segnen!


Sündenbekenntnis:


Gott meines Lebens!

Oft vergesse ich dich und lebe mein Leben ohne dich. Manchmal spüre ich, dass ich das ändern sollte und bin doch zu ängstlich. Was kann ich schon tun?

Gott meines Lebens!

Manchmal spüre ich: Ich lebe nicht so, wie du es von mir erwartest. Ich mache mich klein und sehe mit Misstrauen auf diese Welt. Und oft sehe ich weg!

Gott meines Lebens!

Ich bitte dich: Vergib mir! Zeige mir einen Weg, wie mein Leben gelingen kann!

Und so rufe ich zu dir:

Herr, erbarme dich!

Christus, erbarme dich!

Herr, erbarme dich über uns!


Gnadenzusage:


Gott, der Ewige, spricht:

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft vollendet sich in der Schwachheit.“ (2. Korinther 12,9)


Tagesgebet:


Ewiger Gott, unermüdlich sprichst du uns an. Manchmal spüren wir das. Doch manchmal schauen wir nur auf uns und auf das, was uns wichtig erscheint. Hilf uns, dich immer wieder neu in unserem Leben zu entdecken, dich zu finden in den Sorgen und den Freuden unseres Lebens- auch in dieser Zeit. Auf dich wollen wir uns verlassen und so leben, wie du es uns gezeigt hast. Dafür bitten wir dich um Mut, Weisheit und Segen im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


Lesung:


Lesung aus dem Evangelium nach Markus im 10. Kapitel:

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden.

36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?

37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.

38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?

39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;

40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.

42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;

44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

(Markus 10,35-45)


Glaubensbekenntnis:


Wir antworten mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:


Ich glaube an Gott,


den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,


und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.


Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige allgemeine christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.


Predigt:


P: Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Liebe Gemeinde!


1

Der biblische Predigttext, der heute im Mittelpunkt unseres Nachdenkens steht, ist nur drei Verse kurz und so gehaltvoll, dass er uns zeigt, was unser Leben als Christinnen und Christen trägt. Er steht im sogenannten Hebräerbrief.


Niemand weiß, wer ihn geschrieben hat. Klar ist nur: Es war einer oder auch eine Gruppe von Menschen, die sich im jüdischen Glauben genau auskannten und Jesus, den Juden, und seine Botschaft in den Mittelpunkt ihrer Verkündigung stellten.


Hören wir auf diese Botschaft:

Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13.12-14)


2

Zuerst geht es um Blut. Nach der Vorstellung des jüdischen Volkes ist das der Ort, der Sitz des Lebens. Werden Tiere getötet, fließt ihr Blut zurück in die Erde. Besiegeln Menschen einen Bund fürs Leben, schließen sie „Blutsbrüderschaft“, das kennen wir aus Karl Mays Büchern von Winnetou und Old Shatterhand, aber auch in vielen anderen Kulturen war das verbreitet. Eine Erinnerung daran halten wir beim Abendmahl lebendig, wenn wir aus einem Kelch trinken und zuvor die Worte hören: „Christi Blut für dich vergossen.“ Auch im Hebräerbrief klingt das an: Jesus hat, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.


Jesus, kam mit einer wichtigen Botschaft auf diese Erde: Gott liebt diese Welt! Als Mensch lebte Jesus unter Menschen, nicht unter Mächtigen und Herrschenden, sondern unter ganz normalen Menschen. Er teilte ihr Leben, heilte und predigte, dass das Reich Gottes und seine Liebe nahe seien. Das tat er in einer Zeit voller Gewalt, Ungerechtigkeiten und Unfrieden. Damit weckte er Hoffnung bei den einen und Ärger bei den anderen. Die Mächtigen fürchteten seine Reden: Unruhestiftung – warfen sie ihm vor. Wo kämen wir da hin, fragten sie sich, wenn oben nicht mehr oben und unten nicht mehr unten ist.


3

Und Jesus? Er ließ sich nicht einschüchtern, er wusste um die Gefahr, in die er sich gebracht hatte durch sein Reden und durch Handeln. Er hielt fest an dieser schlichten Wahrheit: Gott liebt diese Welt – in all ihrer Unvollkommenheit. Und Gott liebt diese Menschen – besonders die Kleinen, Armen, Schwachen, Kranken, Sorgenvollen. Dieses Reden und Handeln brachte Jesus ans Kreuz. Draußen vor „dem Tor“, auf Golgatha, dem Hinrichtungsplatz Jerusalems, starb er. Golgatha: ein Ort des Grauens! Gewalt, Schmerzen, Geschrei. Ein Ort, der so wenig dem göttlichen Schöpfungsplan entspricht wie jeder andere Kriegsschauplatz der Erde.


„Vor dem Tor“ – bis heute überziehen solche Orte die Welt mit ihrem Grauen: Ob Guantanamo, Irak, Syrien oder Jemen … Wo ist Gott? Wo ist Gott jetzt, bei dieser weltweiten Krankheit? Warum tut er nichts? Das fragen viele. Dabei ahnen wir doch die Antwort: Gott ist da! Ist selbst draußen „vor dem Tor“. Weint mit den Opfern, teilt ihren Schmerz. Es gibt keinen Ort auf dieser Erde, an dem Gott nicht ist! Doch er schleudert keine Blitze auf die Gewalttäter, lässt die Erde nicht erbeben und die Mörder nicht umkommen. Und er lässt auch keinen Impfstoff vom Himmel regnen. Gottes Macht zeigt sich in der Stille. Gott ist da, mitten im Leiden und Sterben ist er da. Er lässt niemanden allein. Das erkennt man nicht „mit den Augen“, davon berichten auch die Nachrichten nicht. Doch viele haben das schon erlebt: Gott leidet mit und lässt niemanden allein, der ihn um Hilfe anfleht.


4

Ich bin mir sicher, dass Gottes Hilfe und Liebe allen Menschen gilt. Egal welcher Religion und Konfession. Gott sagt zu dem, der um Hilfe bittet, nicht: „Zeige mir zuerst deine Taufurkunde!“ Und doch haben gläubige Menschen aller Zeiten sich immer wieder an das große Geschenk der Taufe geklammert. Nicht nur Martin Luther hat in Zeiten größter Not daran festgehalten: „Ich bin getauft!“ – das hat er sich immer wieder gesagt. Und warum das?


In Zeiten größter Not ist es besonders schlimm: Zum einen die Einsamkeit. Zum anderen die Angst, um das eigene Leben und das der Nächsten. Und zum dritten das Gefühl: Ich kann nichts tun! Die Taufe aber zeigt: Gott hat sich untrennbar mit dir verbunden. Da, wo du Angst hast um die Menschen, die du liebst, kannst du für sie beten. Und auch wenn du meinst, nichts tun zu können, kannst du immer noch die Hände falten und Gott bitten, dir zu zeigen, was noch möglich ist. Genau das hat auch Jesus getan in seiner größten Not.


5

Ein Leben ohne Leid gibt es nicht. Der Volksmund sagt nicht umsonst: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Oder: „Unter jedem Dach ein Ach.“ Oder: „Mal Sonne, mal Regen.“ Manchmal, so scheint es allerdings, ist die Aufteilung nicht gerecht. Da leben die einen ihr Leben ohne große Kümmernisse und die anderen trifft es hart. Da sind die einen mittendrin im Leben und die anderen außen vor. Das war wohl schon immer so, denn der Hebräerbrief fordert seine Leserinnen und Leser auf: So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.


Hier geht es um den Ernst der Nachfolge. In unserem Leben als Christinnen und Christen geht es einerseits darum, dass wir bewusst den Segen, der uns von Gott geschenkt wird, spüren. Diese Kraft, diese Liebe, dieses Leben aus Gottes Hand ist ein wundervolles Geschenk. Dankbar zu genießen, mit Freude zu leben – das dürfen wir. Und dann haben wir noch diese eine wichtige Aufgabe: auf die zu schauen, die „draußen“ sind. Die nicht dazugehören. Und für diese Menschen Sorge zu tragen. Das ist nicht immer leicht, das ist manchmal sehr anstrengend. Und ohne uns Angst zu machen, möchte ich nicht verschweigen, dass es auch gefährlich sein kann, Jesus nachzufolgen und nach seinem Willen zu leben. Aber eines scheint mir wichtig: laut und mutig von der Wahrheit der Liebe Gottes zu sprechen, die allen Menschen gilt. Vor dieser Gefahr nicht zu fliehen heißt, „seine Schmach zu tragen“. Wir alle können viel tun für die, die „draußen“ sind, nach unserer je eigenen Begabung und Kraft.


6

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ heißt es dann noch. Wir nehmen dieses Leben fest in den Blick und haben eine große Aufgabe. Und doch wissen wir, dass wir nur auf der Durchreise sind. Dazu eine kleine Geschichte:


Ein reicher Tourist besichtigt ein Kloster. Ein Mönch zeigt ihm freundlich und fröhlich Kapelle und Refektorium, Kreuzgang und Bibliothek. Wo er denn wohne, so ganz privat, erkundigt sich der Tourist; und der Mönch zeigt ihm seine Zelle, klein und sehr bescheiden eingerichtet. „Ja, aber …“, wundert sich der Tourist und fragt: „Wo haben Sie denn alle Ihre Sachen?“ – „Wo haben Sie Ihre Sachen?“, fragt der Mönch den Touristen. Seine Antwort: „Ich bin ja nur auf der Durchreise.“ – „Ich auch“, erwidert der Mönch.


So ist das. Daran lässt sich nicht rütteln. Egal, wer und wie wir sind: Keiner von uns bleibt hier, wir sind alle nur „auf der Durchreise“ und haben hier „keine bleibende Stadt“. Irgendwann geht es zurück nach Hause. Doch solange wir hier sind, dürfen wir dieses mal so wundervolle und mal so mühsame Leben voll ausschöpfen und unseren Teil dazu beitragen, dass auch andere leben können, nicht „draußen vor dem Tor“ bleiben. Unser Leben ist Geschenk und Auftrag gleichermaßen. Gott traut uns viel zu. Nutzen wir unsere Möglichkeiten! Möge Gott uns dabei segnen!


P: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft und die Gemeinschaft des heiligen Geistes, bewahre unserer Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Fürbittengebet:


Lasset uns beten:

Ewiger Gott, du bist barmherzig und großzügig. Du schenkst uns ein Zuhause bei dir, in diesem Leben und in der zukünftigen Welt. Lass uns darauf vertrauen und lass dieses Vertrauen zu unserer Kraftquelle werden!


Wir wissen: Es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Hände und Herzen nicht leer sind! Es ist deine Güte, die uns hoffen lässt – gerade in unsicheren Zeiten. Dafür danken wir dir, und wir bitten dich: Hilf uns, nach deinem Willen zu leben!


Sei bei den Menschen, die es schwer haben im Leben – gerade jetzt.

Sei bei denen, die trauern und weinen, die hungern und leiden, die Angst haben und ohne Zuhause sind.


Wir bitten dich auch: Stärke deine Kirchen und Gemeinden überall auf der Welt, dass sie sich in deinem Namen stark machen für Frieden, Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung. Dass sie die Sehnsucht nach dir wach halten.


Von dir, ewiger Gott, leben wir, auf dich hin strebt unser Leben. Hilf uns, darauf zu vertrauen, und schenke uns die Kraft, Boten deiner Liebe zu sein in Zeit und Ewigkeit.


Vater unser:


Und wir beten, wie Jesus es uns lehrte:


Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Segen:


Es segne und behüte Euch

der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.



Bis zum nächsten Sonntag

Ihr Dietrich Wulf


Und: Bleiben Sie gesund!!!



Liebe Gemeinde!

 

Unter dieser Überschrift lade ich Sie ganz herzlich ein, hier mit mir einen Gottesdienst zu feiern, ganz ähnlich, wie er auch am Sonntag Lätare (22. März 2020) in unserer Friedenskirche in Wettringen hätte gefeiert werden können. Der Corona-Virus wird auch hier vorkommen, aber nur am Rande, denn wir wollen nicht vergessen, was eigentlich an diesem Sonntag wichtig und dran ist. Lieder und einige Stücke der Liturgie lasse ich weg, aber ich hoffe Sie haben ein wenig das Gefühl „in der Kirche und nicht alleine zu sein“.


Liturgische Eröffnung:


P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

G: Amen.

P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

G: der Himmel und Erde gemacht hat.

P: Der Herr sei mit euch

G: und mit deinem Geist.


Einführung:


Schmerz und Trost. Licht und Dunkelheit. Tod und Leben. Der heutige Sonntag Lätare – „Freue dich!“ – lässt uns mitten in der Passionszeit schon etwas von Ostern erahnen. Von der Hoffnung, die in der Auferstehung Christi begründet ist. Nicht am Leiden vorbei, sondern mitten durch das Leid hindurch. Wie es Jesus von sich im Wochenspruch sagt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)


Sündenbekenntnis:


Herr, unser Gott, wir sind nicht allein im Leiden und im Tod. Wir werden mit dem, der mit uns leidet und mit uns stirbt, mit deinem Sohn, der auferstanden ist, am Ende unserer Zeit auferstehen. Das ist unser Glaube. Das ist schon heute unser Trost. Doch oft leben wir, als wäre dein Sohn nicht auferstanden. Als hätte der Tod das letzte Wort gehabt.

Darum bitten wir um dein Erbarmen:

Herr, erbarme dich!

Christus, erbarme dich!

Herr, erbarme dich über uns!


Gnadenzusage:


Gott hat sich unser erbarmt, denn Jesus spricht: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.“ (Johannes 6,47)

Gottes Friede, seine Gnade und Barmherzigkeit sei mit uns allen. Amen.


Tagesgebet:


Lasset uns beten:

Barmherziger Vater, in deinem Sohn hast du allen Schmerz, alle Wut, alle Zweifel dieser Welt aufgehoben. In deinem Sohn hast du alle Hoffnung, alle Freude, alle Liebe zu dir und zu den Menschen begründet. Durch deinen Sohn hast du alle Sehnsucht dieser Welt gestillt. Öffne unser Herz und unseren Verstand für deine Liebe zu uns.

Darum bitten wir in der Kraft des Heiligen Geistes durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn, jetzt und alle Tage, in Zeit und Ewigkeit. Amen.


Lesung:


Lesung aus dem Evangelium nach Johannes im 12. Kapitel:

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.

21 Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.

22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen's Jesus weiter.

23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.

24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Amen. (Johannes 12,20-24)


Glaubensbekenntnis:


Wir antworten mit dem Bekenntnis unseres Glaubens:


Ich glaube an Gott,


den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,


und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.


Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige allgemeine christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

Amen.


Predigt:


P: Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.


Liebe Gemeinde!


1

Heute könnte schon Ostern sein. Nach den jahrhundertealten Regeln, mit denen der Ostertermin festgelegt wurde – der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang –, ist der 22. März der erste überhaupt mögliche Ostertermin. Heute könnte schon Ostern sein. Doch Ostern am 22. März ist äußerst selten, seit der Kalenderreform von 1582 gab es nur vier Jahre, in denen es einen Ostersonntag an diesem Datum gegeben hat: 1598, 1693, 1761 und 1818. Und wir alle, die wir hier Gottesdienst miteinander feiern, werden einen Ostersonntag an diesem Datum auch nicht mehr erleben, denn das nächste Mal fällt Ostern erst im Jahr 2285 auf den 22. März.


Doch der heutige Sonntag, der vierte Sonntag der Passionszeit, hat schon ein wenig österlichen Charakter. Lätare, aus dem Lateinischen übersetzt: „Freue dich!“, heißt er. Freue dich, denn die Mitte der Passionszeit ist überschritten. Freue dich, denn das Osterfest rückt näher. Aufgrund dieses tröstlichen Charakters wird der heutige Sonntag auch als „kleines Osterfest“ bezeichnet. Deutlich wird das zum Beispiel in der liturgischen Farbe, die der Sonntag in der katholischen Kirche hat: Rosa, denn das Violett der Passionszeit mischt sich mit dem Weiß des nahen Osterfestes. Das Licht des Ostermorgens strahlt schon ein bisschen in diesen Tag.


Ich gebe zu: Ich finde es toll, dass die Menschen, die vor langer Zeit jedem Sonntag des Kirchenjahres einen eigenen Charakter gegeben haben, so fürsorglich waren und uns Menschen für die langen Wochen der Passionszeit den Sonntag Lätare geschenkt haben. Wer die Passionszeit ernst nimmt und an sich heranlässt, dem kann sie lang werden, gerade in diesem Jahr. Dem kann sie schon zu einer Durststrecke werden, diese lange Zeit. Und der Sonntag Lätare lädt wie eine Oase zum Ausruhen und Krafttanken ein. Und das will auch dies Predigt, dieser Gottesdienst sein, eine Oase zum Ausruhen und Krafttanken.


2

Durststrecken im Leben können unterschiedlich sein.


Da ist zunächst einmal der körperliche Durst. Die letzten beiden Sommer mit drohender oder tatsächlicher Wasserknappheit haben einen Eindruck davon vermittelt, wie es ist, wenn Wasser keine unbegrenzt verfügbare Ressource mehr ist. Wenn Flüsse austrocknen oder in Talsperren die Mauern längst versunkener Dörfer auf einmal wieder sichtbar sind. Da haben wir alle gemerkt, wie selbstverständlich wir Wasser nehmen. Eine kleine, nervige Durststrecke, doch letzten Endes natürlich eine Lappalie, wenn ich an die Menschen denke, die täglich um ein wenig Wasser kämpfen müssen. Rund eine halbe Milliarde Menschen leiden das ganze Jahr über unter Wasserknappheit, zwei Drittel der Menschheit mindestens einen Monat im Jahr.


Neben dieser körperlich bedrohenden Durststrecke gibt es vielfältige andere. Eine lange Krankheit, die Jetzige Corona-Pandemie, aber auch Arbeitslosigkeit und materielle Sorgen, schliesslich das Scheitern einer Beziehung. Auch Einsamkeit, das Gefühl, nicht verstanden zu werden, Orientierungslosigkeit können Durststrecken sein. Auch die Menschen, an die sich der heutige biblische Text aus dem Buch des Propheten Jesaja einst gewandt hat, machten gerade eine Durststrecke durch. Das Buch des Propheten Jesaja ist eigentlich das Buch von drei Propheten: Der erste Jesaja hat im 8. Jahrhundert die Kapitel 1 bis 39 geschrieben, der zweite Jesaja, auch Deuterojesaja genannt, hat rund zweihundert Jahre später geschrieben (die Kapitel 44 bis 55), seine Leser sind die nach Babylon ins Exil verschleppten Juden. Der heutige Predigttext aus dem 66. Kapitel wird dem dritten Jesaja, Tritojesaja, zugeschrieben, er schreibt zwischen 521 und 510 vor Christus an die aus dem Exil heimgekehrten Juden. Jetzt hört sich Heimkehr positiv an, doch die Situation in der Heimat war alles andere als gut. Der Tempel in Jerusalem war zerstört, die Stadtmauern geschleift, es kam zu Auseinandersetzungen mit der im Land verbliebenen Bevölkerung, auch aufgrund von Versorgungsengpässen bei Nahrungsmitteln und Wohnraum. Also eine alles andere als rosige Situation. Hier hinein spricht Jesaja die Worte über das zukünftige Heil:


Und Jesaja sprach: Hört des HERRN Wort:

10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.

11 Denn nun adürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an dem Reichtum ihrer Mutterbrust.

12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ihre Kinder sollen auf dem Arme getragen werden, und auf den Knien wird man sie liebkosen.

13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden. (Jesaja 66,10-14)



3

Das sind überschwängliche Worte, die der Prophet den Enttäuschten sagt. Vielleicht für unser Hören zu überschwänglich. Auch dass wir Trost finden bei einer Stadt, die mütterliche Funktion übernimmt, klingt eher fremd. Doch möchte ich Sie einladen, sich auf die über 2.500 Jahre alten Worte einzulassen. Ich glaube, kaum jemand von uns wird sich daran erinnern können, wie es gewesen ist, selbst gestillt worden zu sein. Doch das Bild haben wir alle vor Augen und wissen, was sich alles damit verbindet. Da geht es zunächst um körperliches Sattsein, keinen Hunger mehr zu empfinden, ein Ende der Durststrecke. Doch es bedeutet viel mehr: Geborgenheit, Trost, frei sein von Angst. Die Gewissheit, jemand sorgt für mich, liebt mich, behütet mich, hält mich.


Den aus dem Exil heimgekehrten Menschen wird Wohlstand und Frieden versprochen, das heißt, ihnen wird der Trost versprochen, den die Menschen benötigen. Wie eben eine Mutter tröstet. Wenn das Kind sich beim Spiel verletzt hat, nimmt die Mutter es in den Arm und klebt vielleicht ein Pflaster auf die Wunde. Sie hält keinen Vortrag über die zu erwartende Wundheilung und ermahnt nicht zur Vorsicht. Wenn ein Kind mit einer schlechten Note nach Hause kommt, nimmt die Mutter es in den Arm, sie referiert nicht über die bestehenden Berufsaussichten oder kritisiert das Lernverhalten. Mütterlicher Trost trifft den Schmerz, schenkt Geborgenheit. Und so tröstet Gott. Wir dürfen mit allen unseren Schmerzen zu ihm kommen, nichts ist für ihn banal; wir dürfen zu ihm kommen auch mit den Schmerzen, die wir selbst verschuldet haben. Der Alltag ist der Ort von Gottes Trost und Fürsorge.


4

Trost ist etwas, das sich viele Menschen wünschen. Trost ist ja nicht die Abwesenheit von Schmerz oder Not, sondern die Erfahrung, nicht allein zu sein. Trost gehört zu den Freuden des Lebens, die ich mir nicht selbst geben kann. Der beste Trost ist immer, nicht alleine zu sein, nicht alleine tragen zu müssen, sich aussprechen zu können und sich getragen zu wissen im Schmerz, der nur wehtut. Solchen Trost brauch wir auch jetzt.


5

Deshalb vertraue ich darauf, dass ich auf Trost hoffen und Gott um Trost bitten kann, weil ihm das Leiden nicht fremd ist. Die Passionszeit erinnert uns daran, dass Gott in Jesus Christus selbst gelitten hat. „Da musste sogar die Mutter weinen“, sagte ein Kind nach der Betrachtung eines Kreuzweges. Irgendetwas war so schlimm, dass sogar die Mutter weinen musste.


Was sich dem Kind so nachdrücklich eingeprägt hatte, war das Bild Marias mit dem toten Sohn auf dem Schoß. Das ist das Bild, auf das wir in der Passionszeit zugehen. Der getötete Jesus im Schoß seiner Mutter. Ob da Trost war? Ich weiß es nicht. Doch ich möchte darauf vertrauen, dass Gott Leiden und Tod auf sich genommen hat, damit kein Mensch im Leiden und Sterben mehr allein ist. Dass Leiden und Tod keine gottverlassenen Orte sind und deshalb auch keine trostlosen. Und deshalb will ich an dem festhalten, was der Prophet Jesaja uns gesagt hat: dass Gott uns trösten will, wie eine Mutter tröstet.


Darauf hoffe ich. Diese Hoffnung hat ihre Wurzeln in der Auferstehung Jesu. Die Hoffnung nimmt ihr Licht vom Osterlicht, das in den heutigen Tag hineinscheint; das in jedes Leid hineinscheint. Es geht nicht darum, Leid klein zu reden – es wird nicht Ostern am Karfreitag vorbei –, sondern darauf zu hoffen, dass Gottes Liebe und sein Trost stärker sind als alles Leiden und auch als der Tod. Heute könnte schon Ostern sein. Damit habe ich begonnen. Heute ist noch nicht Ostern. Aber ich will darauf vertrauen, dass wir jeden Tag im österlichen Licht leben – auch dann, wenn alles düster erscheint.


P: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft und die Gemeinschaft des heiligen Geistes, bewahre unserer Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Fürbitten:

Lasset uns beten:


Barmherziger Vater,

du bist der Vater allen Trostes und willst uns trösten wie eine Mutter. Wir bitten um deinen Trost:


Für alle, die die Hoffnung verloren haben, weil sie schwer krank sind, weil eine Beziehung zerbrochen ist, die für ihr Leben wichtig war.


Für alle, die keinen Trost mehr finden wegen der Kriege und Hungersnöte dieser Welt, durch Verbrechen oder Unfälle.


Für alle, die den Halt verloren haben, weil ein ihnen lieber Mensch gestorben ist oder angesichts des eigenen drohenden Todes.

Für alle Menschen in den Durststrecken des Lebens und des Glaubens.


Für deine Gemeinde, wenn wir zweifeln, weil deine Botschaft nur wenige Zuhörer findet.


Darum bitten wir dich durch deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn, der bis in den Tod hinein dir alle seine Bitten anvertraut hat.


Vater unser:


Und wir beten, wie Jesus es uns lehrte:


Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Es segne und behüte Euch

der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.



Bis zum nächsten Sonntag

Ihr Dietrich Wulf


 

Und: Bleiben Sie gesund!!!

Gebet beim Glockenläuten